Anna Depenbusch    

 

     
Album: Ins Gesicht
VÖ: 17.10.2005
Label: Rintintin Musik
Vertrieb: Indigo
Webseite: www.anna-musik.de
Myspace: www.myspace.com/annadepenbusch
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Es ist Herbst. Wir haben den Sommer noch in den Adern und
müssen uns langsam wieder auf den Winterschlaf vorbereiten.
Vorräte müssen gesammelt werden.
Aber was brauchen wir denn? Seelenbalsam.
Etwas, das friedvoll über melancholische Zeiten hilft.
Etwas, das Kraft spendet und Erinnerungen weckt.
Etwas, das Hoffnung auf Neues macht.
Musik die liebevoll zerreißt und versöhnlich wieder verbindet.

Von einer, die auszog um sich selbst zu suchen
Geboren wurde Anna Depenbusch als Vollblut-Herbstkind im Oktober 1977 in Hamburg wo der Herbst immer einen Monat länger dauert als anderswo. Kaum 10 Jahre alt steht sie mit der ersten Band auf der Bühne und vertritt ihren älteren Bruder, der mit Masern im Bett bleiben mußte, Von da an war ihr klar: "Ich habe mich nie irgendwann dazu entschieden Musikerin zu werden, ich habe es von Anfang an gewusst. Die Musik hat mich ausgesucht. Nicht ich sie." Das Leben ist schön, die Neugier groß und Anna sammelt Erfahrungen:

- als Gemüselasterfahrerin um 6:00 Uhr morgens auf dem Deich
- als Haus und Hof-Nachtigall in einem Nightclub auf der Reeperbahn
- als Preisträgerin des Hamburger Kulturpreises "Musikerinnen 2000"
- als Studentin für Jazzgesang in Berlin an der HfM Hanns Eisler
- als Backgroud-Sängerin diverser Bands im Gladiatorenzirkus von "Top of the pops", "The Dome" und dem "Grand Prix"
- als Schauspielerin am Schauspielhaus Hannover
- als Produzentin und Komponistin für Theatermusik am Thalia Theater Hamburg
- als Remixerin für Elekromusik und Soundeffekte.

Vielleicht haben wir sie längst schon mal kennen gelernt und wissen es gar nicht. Undercover, getarnt mit ihren verschiedenen Namen für unterschiedliche Projekte. 2001 schmeißt sie alles hin. Steigt aus allen Bands aus. "Ich war 24 Jahre alt und wusste einfach nicht mehr wer ich bin, da habe ich mich auf die Suche begeben." Der Koffer für Island ist gepackt.

Form ohne Format
Wer das Format verlässt fällt auf eine leere Form zurück. "Ich glaube, dass nur Persönlichkeit und Authentizität diese Form füllen können. Vielleicht bin ich mit dieser Einstellung auch eher eine Jazz- als eine Popmusikerin. Ich will entdecken was aus mir raus kommt, wenn ich alleine und total frei bin. Gelöst von allen Erwartungen und äußerem Druck." Die ersten Lieder entstehen. "Ich habe in mich hinein gehorcht und mir erst mal einen Überblick über das ganze Durcheinander da drin gemacht. So viele Gefühle für die ich nie Zeit hatte lagen da auf Halde." So wurden es Liebeslieder. Über Freundschaft, das Verliebt sein, Verlassen und Verlassen werden, über die Heimat, die Natur. Klare Gefühle schlicht und einfach verpackt.

Worte aufladen bis sie platzen
"Warum haben so viele Menschen Angst das Ehrlichkeit peinlich sein könnte? Wie stumpfsinnig! Worte können immer nur ein Gefängnis für Inhalte sein, die einzige Chance sich mit ihnen zu verbünden ist etwas zu sagen, das man aus tiefsten Herzen so meint. Bei meinem Song "Ins Gesicht" beginnt der Refrain mit "Ich liebe Dich" und es gab einige Leute, die meinten, das könne ich so nicht machen. Das wäre zu ehrlich, zu persönlich und es würde mich angreifbar machen. Ich verstehe nicht was das Problem sein soll. Für mich sind meine Texte eines der stärksten und mutigsten Dinge, die ich je getan habe."

...es schlüpft!
Die Songs sind geschrieben. Welchen Sound soll sie bekommen? Anna hat ihre eigenen Vorstellungen und produziert sich selbst. "Diese Entscheidung hat sich für mich ganz natürlich von selbst ergeben. Ich steckte sowieso schon mitten im Prozess und brauchte die Dinge einfach nur so weiter laufen zu lassen wie bisher." Zuerst wurden alle Songs in ein elektronisches, fast technoides Kleid gesteckt. "Ich war fasziniert von der Kombination meiner Stimme mit synthetischen Loops. Ich habe mich dann aber für die zärtlichere Variante entschieden, einen zeitlosen, vollakustischen Sound." Sie stellte eine Band aus 5 Jazzmusikern zusammen. "Mein Bassist ist übrigens früher der Sänger der Band gewesen mit der ich als 10 jähriges Mädchen meinen ersten Auftritt hatte. Wir kennen uns alle schon viele Jahre. Ich dachte mir, wenn ich im Studio eine vertraute, warme Atmosphäre schaffe, wird sich das vielleicht auf das Album übertragen. Wir haben uns in einem Tonstudio im Wald eingerichtet, alle Computer ausgeschaltet und zusammen in einem Raum auf Bandmaschine aufgenommen. Ganz klassisch, so wie vor 30 Jahren. Dieser Weg ist einzigartig und sehr musikalisch. Meinen Gesang habe ich dann alleine bei mir zuhause aufgenommen, am liebsten unter der Bettdecke. Ich wollte für mich sein um mich wieder an all die Situation zu erinnern in denen meine Lieder entstanden sind." Die neun Songs haben teilweise so unterschiedliche Stimmungen, dass ich drei kleine, instrumentale Interludes eingebaut habe. Entweder bereiten sie ein nächstes Lied vor oder bringen ein vergangenes ganz zum Ausklingen." Ein großer Bogen spannt sich bis hin zum Artwork der CD und den Fotos. "Der schlüpfende Kokon ist das passende Symbol für den Weg den ich gegangen bin. Die Isolation, die Entwicklung und nun das auf die Welt kommen mit einem Album."

Ein paar Fragen:

- Was hast Du für Erwartungen an Dein Debüt-Album "Ins Gesicht"?
Meine Erwartungen, oder sagen wir lieber Hoffnungen haben sich eigentlich schon längst erfüllt. Es ist ein fantastisches Gefühl sich ohne irgendwelche Einschränkung von Plattenfirma oder Produzenten selbst kreativ auszuleben. Dieses Album ist für mich inhaltlich so aufgeladen und klanglich so vielschichtig geworden. Ich wünsche mir sehr das andere Menschen meine Musik für sich entdecken, so als eine Art persönliches Geschenk.

- Wann und wo ist Dein Lied "Heimat" entstanden?
Der Song ist einfach am Klavier entstanden. Musik und Text gleichzeitig. In einer Stunde war er da. Ich hatte einen dieser Tage erwischt, die so wunderschön melancholisch sind, dass man es genießt, nur die traurigsten Lieder der Welt zu hören. Ich habe mich dieser Stimmung so tief verbunden gefühlt und mich gefragt wo das wohl herkommt. Es war wie der innerlicher Heilungsprozess einer ganz alten Wunde. Da habe ich nachgedacht und bin irgendwann bei meiner Heimat, meiner Herkunft und der Bedeutung alledem gelandet.

- Wie würdest Du einem tauben Menschen Deine Musik beschreiben?
Vielleicht wie Holz, oder wie Nudeln mit Tomatensoße, oder wie Handschuhe, die man im Winter doch noch in der Tasche findet, wo man sich schon sicher war, man hätte sie vergessen. Ich weiß nicht, vielleicht würde ich ihn einfach zu einem Konzert einladen wo er sich dann selbst ohne etwas zu hören einen Eindruck über mich, meine Band und das Publikum machen kann.

- Hast Du schon mal an einer Casting-Show teilgenommen?
Oh ja, 2001 und ich habe damals gewonnen! Eine Woche lang wurde das Spektakel täglich auf Sat1 mitverfolgt.3500 Bewerber und 24 wurden ausgewählt. Ich war mit dabei. Nur ging es dabei nicht ums Hüftenwackeln und Playback singen, sondern um Steilwandklettern und körperliche Belastbarkeit. Es wurden Kandidaten für eine Hightech-Online-Schnitzeljagt auf Island gecastet. 4 Tage lang sind wir Fahrrad und Kanu gefahren, geritten und durchs Moos gekrochen. Großartig war das und für mich die erste Begegnung mit diesem Land. Von den "Superstars"-Shows halte ich nix aber das wird bald allen so gehen.

Keine Elfengeschichte: Ein paar Zeilen Tagebuch
Im Dezember 2001 geht die Reise los für mich und mein kleines Mobiltonstudio mit seinen 25 Kg. Reykjavik zeigt sich von seiner besten Seite: 2 Meter Schnee, 3 Stunden Tageslicht und in mir brodelt es lichterloh vor Freude. Ich beziehe mein WG-Zimmer und schau mich um. Ein Land hält Winterschlaf und seine Bewohner ziehen sich zurück und werden kreativ. So auch ich. Zuerst will es der Zufall so, daß ich mich in dem renommierten Thule-Tonstudio einrichten kann, dann tausche ich mich aus. Mit Musikern, DJ´s, Programmierern, Produzenten. Wir lassen unsere Musik sprechen, denn ich verstehe kein isländisch und sie kein deutsch. Egal. Die Wochen vergehen. Jeder morgen beginnt in meinem Lieblingscafe an der einzigen Hauptstraße der Stadt. Meistens sitze ich auf meinem Stammplatz direkt am Fenster und oft neben Sigur Rós-Sänger Jón, der wohl auch gerne am Fenster sitzt. Ich liebe die Gewohnheit, denn ohne sie gäbe es kein Gewohnheiten brechen.

Und so finde ich mich am 24.Dezember mit einem Leihwagen und meinem Schlafsack an einer Steilküste in Islands Süden wieder. Ich habe eine Fackel dabei und feiere dort das festlichste Weihnachtsfest meines Lebens. Für diese Aktion habe ich dann von meinen isländischen Freunden ein paar Tage später mächtig Ärger bekommen. Niemals sollte man zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten nachts alleine bleiben. Es wäre respektlos den Elfen und Trollen gegenüber sich ohne Erlaubnis einfach in ihrem Gebiet breit zu machen. So mancher wäre nie mehr zurück gekehrt und ich kann bis heute nicht sagen ob das isländischer Humor sein sollte. Also kennen gelernt habe ich sie nicht diese elfenhaften Feenwesen von denen immer alle reden. Transparente Lichtgestalten mit mystischer Aura, engelhafter Stimme und medienwirksamen Sexappeal. Aber wenn es sie wirklich gibt, dann traue ich ihnen weit mehr zu als nur das! Ich denke mit einem Wimpernschlag zerstören sie alle Illusionen und öffnen Dein Herz ob Du es erträgst oder nicht.

Ein neues Jahr beginnt und ich verbringe die Tage im Studio, oder einfach mit Land und Leuten. Ich treffe Björk. Im Cafe, auf einer Party, in der Videothek. Sie sagt: "Die Sonne im Innern scheint immer, auch wenn es draußen kalt und dunkel ist." Ich weiß was sie meint. Eine tolle Frau. Meine musikalischen Skizzen verdichten sich... Island macht Mut und ist Mutprobe zugleich.

CD Cover:
Anna Depenbusch 01:
Anna Depenbusch 02:
Anna Depenbusch 03:
Anna Depenbusch 04: