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Es war kein leichter Start in den 24. Dezember des Jahres 2004. Denn
am Abend zuvor gerieten wir in die Fänge von Der Fall Böse.
Wir landeten
im "Lehmitz", Hamburgs legendärem Asyl für Schlaflose.
Der Playboy-Flipper fraß gierig unsere Euros, das Bier war lecker
wie immer, und schließlich war Showtime. Die Bühne war viel
zu klein für acht ausgewachsene Kerle, also verteilte sich die Band
um und auf dem längsten Tresen Hamburgs. "Ini mini meini mo,
die Stadt steht in Flammen und es läuft die Show" – wir
waren verloren. So viel Funk, so viel Rhythm & Blues, so viel Dampf
im Kessel sind nicht wirklich zuträglich, wenn man am Tag drauf vorzeigbar
bei seinen Lieben auflaufen und das Fest der Besinnlichkeit feiern soll.
Doch was soll's schon, ein wenig Schlafdefizit nimmt man gern in Kauf,
wenn man in die Vollen greift, und das tut man nirgendwo effektiver als
auf St. Pauli und mit niemandem erfolgreicher als mit Der Fall Böse.
Wir haben es
ja geahnt, nein, wir wussten, worauf wir uns einlassen, schließlich
sind die Jungs längst keine Unbekannten mehr. Mehr Feuer als Björn
und Hammond, die beiden rappenden Sänger, hat keiner im Hintern.
Sie sind gestandene Funker, Rapper und Blueser auf den Straßen von
St. Pauli. Seit 1996 schon verdichten sie den Atem der Großstadt
zu dampfenden, treibenden Songs. Sie lieferten den Vorspann-Song zur Sat1-Comedyserie
"DeichTV", steuerten drei Nummern zum Kiez-Film "Süperseks"
bei – und haben mit "Der Fall Böse", "Viva dieser
Tag" und "Sachenmacher" schon drei Longplayer draußen,
allesamt mit einer Groovedichte, die sich nicht hinter den gesammelten
Werken von James Brown und Seeed verstecken muss. Auch abseits der Band
sind die Männer keinesfalls untätig: Drei der Böse-Jungs
vertonen als "Revolver Jazz Ensemble" Hörspiele live auf
der Bühne. Drummer und Produzent Bente arbeitete bereits für
Die Ärzte, Gitarrist Gunta bringt als "String & Bass Experience"
hausgemachten Drum & Bass mit einer Violine zusammen.
Nun ist also
"Hochverrat" da, Böse-Album Nummer vier, und wird dafür
sorgen, dass der Rest der Republik die Ohren gen Hamburg ausrichtet, denn
von dort zieht nun der Sturm auf. Alles ist mehr geworden auf "Hochverrat",
mehr Beats, mehr Flow, mehr Vielseitigkeit, mehr Spaß. Und mehr
Soul: Bei einem Konzert in einem Hamburger Gefängnis lernte die Band
die afrikanischstämmige Sängerin Armina kennen, die spontan
beschloss, sich als Gastsängerin zur Verfügung zu stellen –
und eine Stimme offenbarte, deren Schmelz man sonst nur bei Größen
wie Alicia Keys findet. Auf "Hochverrat" passt alles zusammen,
die Partykracher, die Songs über das Leiden der Liebenden, alles
ist aus einem Guss. Wenn man bedenkt, dass die Gründungsmitglieder
von der Fall
Böse aus musikalisch vollkommen unterschiedlichen Ecken kommen und
sich nur trafen, weil sie 1996 gemeinsam am Soundtrack zum gleichnamigen
Low-Budget-Film bastelten, erscheint es umso erstaunlicher, wie unglaublich
tight diese Band klingt. Die ersten, die der Groove-Breitseite von "Hochverrat"
nicht standhalten konnten, war die Firma Flensburger Pilsener, die prompt
ihren neuen Kino- und Fernsehspot mit dem Song "Hin und weg"
unterlegte. Ab April läuft der Spot in Kino, Fernsehen und Radio.
Wahrscheinlich
ist es egal, ob man ein Punker ist, ein Normaler, ein Rocker oder ein
Rumhänger. Wenn genügend von denen zusammenkommen, kommt es
nur noch darauf an, dass man genug Schweiß aufbringt, genug Blut
und genug Enthusiasmus. Diese sieben hier haben jede Menge davon:
Bente - Drums
Bjoern – Worte/Percussion
Lesley – Rhodes/Gitarre
Gunta – Gitarre
Johannes – Saxophone
Jorge – Saxophone
Svendrix – Bass |
CD
Cover: |