Duo Runge&Ammon
OPIUM: Zwischen Rausch und Schatten der 20er
Mit „OPIUM“ präsentieren Eckart Runge und Jacques Ammon ihr drittes gemeinsames Album beim Label Berlin Classics – ein musikalisches Kaleidoskop, das die schillernden wie dunklen Facetten der 1920er Jahre in Europa zum Klingen bringt. Die Veröffentlichung am 10. Oktober 2025 markiert nicht nur einen weiteren Meilenstein in der fast 30-jährigen Zusammenarbeit des Duos, sondern ist auch das Ergebnis einer einzigartigen künstlerischen Symbiose, die in der Bearbeitung der Filmmusik für die preisgekrönte TV-Serie „Babylon Berlin“ ihren jüngsten Höhepunkt fand.
Das neue Album „OPIUM“ ist eine Hommage an die „Roaring Twenties“ – eine Zeit, die von Aufbruch, rauschhafter Lebenslust und künstlerischer Innovation geprägt war, aber auch von gesellschaftlichen Spannungen und dunklen Vorboten des Umbruchs. Die Musik des Albums steht in direkter Verbindung zur TV-Serie „Babylon Berlin“, für deren zweite bis vierte Staffel Runge und Ammon die Filmmusik arrangierten und einspielten. Ihre Expertise für Jazz, Tango und die Musik der 1920er Jahre machte sie zu idealen Partnern für Regisseur Tom Tykwer, der das Duo nicht nur ins Studio, sondern auch vor die Kamera holte: In einer der legendären Kneipenszenen der letzten Staffel sind beide Musiker als Teil des pulsierenden Nachtlebens von „Babylon Berlin“ zu sehen.
Um die Filmmusik herum entstand das Repertoire für dieses neue gemeinsame Album. Der Titel „OPIUM“ spiegelt die Ambivalenz der Zeit wider: Rausch, Sinnlichkeit und Genuss stehen dem drohenden Absturz gegenüber. Runge und Ammon tauchen tief ein in die musikalische Vielfalt der Epoche – von Gershwins „An American in Paris“, das den Jazz und die amerikanische Sehnsucht nach Europa feiert, über Kurt Weills „Moritat von Mackie Messer“ und den europäischen Tango „Jalousie“ von Jacob Gade bis hin zu Ravels intellektuell gebrochenem „Blues“ und den melancholischen Tönen von Gustav Mahlers „Ich bin der Welt abhanden gekommen“. Das Duo spürt dabei nicht nur dem Zeitgeist nach, sondern auch den Brüchen und Schatten, die über den „goldenen“ Jahren lagen: Werke von Ernest Bloch, Erich Wolfgang Korngold und Paul Hindemith erinnern an die gesellschaftlichen und politischen Spannungen, die wenig später in Verfolgung und Exil mündeten.
Die Arrangements und Interpretationen von Runge und Ammon sind geprägt von einer tiefen Kenntnis der musikalischen Tradition und einer kreativen Offenheit, die Genregrenzen sprengt. Ihr Spiel ist mal rauschhaft und ekstatisch, mal nachdenklich und introvertiert – stets getragen von der Idee, Musik als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen und als Plattform für Hoffnung und Utopien zu verstehen. „OPIUM“ ist so nicht nur eine musikalische Zeitreise, sondern auch ein Statement für die Gegenwart: In einer Welt, in der sich gesellschaftliche Spaltung und Extremismus erneut ausbreiten, erinnert das Album an die Kraft der Kunst, Traumata zu verarbeiten und Räume für neue Visionen zu eröffnen.
Mit „OPIUM“ gelingt es Eckart Runge und Jacques Ammon, die Musik der 1920er Jahre lebendig werden zu lassen – als faszinierenden Brennpunkt zwischen Licht und Schatten, Rausch und Reflexion. Ihr Album ist Einladung und Mahnung zugleich: Die Vergangenheit mag nicht wiederholbar sein, doch ihre Lektionen bleiben hochaktuell. In der Musik finden Runge und Ammon einen Ort, an dem Erinnerung, Sehnsucht und Hoffnung auf einzigartige Weise zusammenfließen.