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Juri Vallentin

Juri Vallentin & Philipp Heiss

  •  
    Chants de la Nuit

    Format: digitales Album
    Label: Berlin Classics
    LC: 06203
    Vertrieb: Edel:Kultur
    EAN: 88547004685
    VÖ: 14.08.2026

  • Rush
    Ensemble Reflektor

    Format: CD
    Label: Berlin Classics
    LC: 06203
    Vertrieb: Edel:Kultur
    EAN: 885470035109
    VÖ: 28.02.2025

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Juri Vallentin
Juri Vallentin
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    Nächtliche Gesänge – die Oboe und die menschliche Seele

    Es gibt Orte, die einen nicht loslassen. Für den Mainzer Oboisten Juri Vallentin ist es das Conservatoire de Paris – jenes ehrwürdige Haus, durch dessen Gänge die Geschichte der französischen Musik noch immer zu wehen scheint. Gabriel Fauré, Maurice Ravel, Paul Dukas, Olivier Messiaen – sie alle wirkten hier. „Das Conservatoire ist ein wahnsinnig energetischer, aufgeladener Ort. Wenn man dort durch die Gänge geht, spürt man die Geschichte all dieser Komponisten“, erinnert sich Vallentin an die Zeit seines Studiums in Paris. „Diese besondere Tradition der französischen Schule und der fast mystische Charakter dieser Musik haben mich unfassbar fasziniert.“ Aus dieser Begeisterung heraus ist nun ein Konzeptalbum entstanden, das einen eigenen, unverwechselbaren Kosmos entwirft. Chants de la Nuit erscheint am 14. August 2026 als reines Digital-Release beim Label Berlin Classics. Gemeinsam mit dem Augsburger Pianisten Philipp Heiss gelingt Juri Vallentin eine intime, visionäre und von außergewöhnlicher innerer Geschlossenheit geprägte Aufnahme.

    Der Titel ist Programm. „Die Nacht ist kein Dunkel, sondern ein Zustand des Träumens“ – dieser Satz hat Vallentin bei der Konzeption des Albums geleitet. Gemeint ist nicht die schwere, bedrohliche Nacht, sondern jener magische Zwischenraum von Wachen und Schlafen, in dem Gedanken frei fließen und Dinge an die Oberfläche drängen, die der Tag im Lärm verschüttet hat. Die acht Werke dieser Aufnahme – alle von Vallentin selbst für Oboe und Klavier arrangiert – entfalten genau diese Atmosphäre: geheimnisvoll, schwebend, voller feiner Farben.

    Die dramaturgische Reise beginnt mit Ravels Kaddish, einem heiligen, fast rituellen Gesang, der wie das langsame Aufziehen eines Vorhangs zur Nacht wirkt. Von dort gleitet das Album durch verschiedene Schattierungen von Dämmerung und Mondlicht – Faurés Claire de lune, die exotisch fließenden Welten von Pierre de Bréville und Ravel, die visionäre Stille Messiaens – und endet mit der tänzerischen Alla Gitana von Paul Dukas. „Wie ein fließender, ununterbrochener Traum“, beschreibt Vallentin diesen Bogen. Kein Zufall, sondern eine sorgfältig geplante Reise in die Tiefe des Unbewussten.

    Neben den großen Namen des französischen Impressionismus – Ravel, Fauré, Messiaen, Dukas – war es Vallentin ein echtes Herzensanliegen, auch fast vergessene Stimmen dieser Epoche zu beleuchten. Pierre de Bréville und Émile Vuillermoz stehen für eine Seite der französischen Moderne, die abseits der ausgetretenen Konzertpfade selten zu hören ist – und gerade darin liegt ihr Reiz. Sie zeigen, wie unglaublich farbenreich und vielschichtig diese Epoche war, weit über die bekannten Meisterwerke hinaus. Dass Vallentin all diese Werke eigens arrangiert hat, macht das Album zu einem doppelt persönlichen Statement: als Interpret und als kreativer Gestalter.

    Kaum ein Instrument ist der menschlichen Stimme so nah wie die Oboe – sie ist für Gesänge ohne Worte geradezu prädestiniert. „Die Oboe ist das ultimative vokale Instrument“, sagt Vallentin. „Durch das Doppelrohrblatt atmet, bricht und singt das Instrument fast eins zu eins wie eine menschliche Stimmlippe.“ Gerade bei den Vocalisen – Kompositionen, die ursprünglich ohne Text auskommen – fällt jede sprachliche Barriere weg. Was bleibt, ist das pure Gefühl, unvermittelt und direkt. Vallentin setzt die Oboe auf diesem Album bewusst wie ein atmendes, menschliches Organ ein: als Medium nicht allein für den Klang, sondern auch für die menschliche Seele selbst.

    Dass die Partnerschaft von Oboe und Klavier so unmittelbar und natürlich klingt, verdankt sie einer langjährigen, tief verwurzelten Vertrautheit der beiden Musiker. Philipp Heiss, der für seine Vielseitigkeit als Solist, Kammermusiker und Liedgestalter geschätzt wird, musiziert seit Jahren mit Vallentin. Ihre Zusammenarbeit braucht keine langen Absprachen. „Wir können uns zusammensetzen, musizieren und verstehen uns komplett ohne langes Proben“, erläutert Vallentin. Dementsprechend entstand auch das Album: nicht durch ausführliche theoretische Diskussionen, sondern aus dem unmittelbaren Musizieren heraus. „Diese Musik verlangt nach einem intuitiven Dialog. Es geht um Nuancen des Atems, um das gemeinsame Spüren eines Moments und um das Timing von Millisekunden.“

    Die Aufnahmen entstanden in Kooperation mit SWR Kultur im SWR-Studio Kaiserslautern. Die dortigen Bedingungen erwiesen sich als so ideal, dass das gesamte Album an einem einzigen Tag eingespielt wurde, kaum Schnitte von Nöten waren und sich eine Konzentration einstellte, die es beiden Künstlern erlaubte, sich ganz der Musik, dem Klang und dem Moment hinzugeben. Das Ergebnis ist von einer organischen Unmittelbarkeit, die in jedem Ton hörbar wird.

    Chants de la Nuit erscheint ausschließlich digital – eine Tatsache, die Vallentin nicht als Kompromiss empfindet. „In der Klassikwelt klammern wir uns oft noch sehr an physische Datenträger“, sagt er, „aber die Art und Weise, wie wir heute Musik intensiv erleben, hat sich komplett verändert.“ Ein reines Digital-Release nimmt der Klassik das manchmal Steife und Elitäre – und bringt die Musik direkt dorthin, wo die Menschen im Alltag wirklich hinhören. Und wie hört man dieses Album am besten? „Spät abends, allein, mit guten Kopfhörern im abgedunkelten Raum – vielleicht im Bett oder beim Runterkommen nach einem langen Tag.“

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