Helge Burggrabe – HAGIOS
Singen als Haltung – Helge Burggrabe setzt musikalischen Friedensimpuls
Singen ist der kürzeste Weg zwischen Menschen – in jeder Sprache, in jeder Kultur. Im Zusammenklang der Stimmen entsteht etwas, das keiner allein hätte erzeugen können: Momente von Zugehörigkeit in Harmonie.
Genau diese Momente sucht der in Bremen lebende Komponist und Flötist Helge Burggrabe. Seit über einem Jahrzehnt komponiert er Gesänge, die nicht nur gehört, sondern geteilt, mitgesungen und weitergegeben werden wollen. Am 18. September 2026 erscheint HAGIOS III – Friedensgesänge bei Berlin Classics. Mit 17 neuen Friedensgesängen erweitert das dritte Album die HAGIOS-Reihe, die inzwischen ein Eigenleben entwickelt hat, das weit über die Musik selbst hinausgeht.
Als Komponist ist Burggrabe mit großen Auftragswerken europaweit bekannt geworden. Sein Marienoratorium „Stella Maris“ entstand zur 1.000-Jahrfeier der Kathedrale von Chartres, sein Dreikönigsoratorium zum 700-jährigen Jubiläum des Kölner Doms und sein Reformationsoratorium „Katharina“ für das Fraumünster Zürich. Mit seinem Orchesterwerk HUMAN rief er zudem eine Kulturinitiative ins Leben, die mit Musik, Choreografie und Menschenrechtsbildung Grundfragen des menschlichen Zusammenlebens behandelt. Mit HAGIOS beschreitet er einen persönlicheren Weg – kein Monumentalwerk für große Bühnen, sondern Musik, die ihren Weg auch in kleine Kreise finden kann. Musik, die einlädt mitzumachen. Seit langem beschäftigt er sich mit der Frage, was Frieden im Innersten bedeutet, und hat ihr in diesen Gesängen musikalisch Ausdruck verliehen.
Das Wort „hagios“ entstammt dem Altgriechischen und meint das Heilige – jenes Nicht-Nennbare, auf das alle Religionen letztlich ausgerichtet sind. Seit 2015 komponiert Burggrabe unter diesem Titel ein wachsendes Repertoire an Gesängen. Mit Texten wie „Shalom. Salam“, „Jeder Teil dieser Erde ist mir heilig“, „Je suis un instrument de la paix“ oder „Friede sei mit dir, Friede sei mit mir …“ umkreisen die Gesänge das Thema Frieden – nicht als politische Forderung, sondern als innere Haltung, die sich als Friedensimpuls nach außen entfalten kann. Die Lieder sind ein- bis vierstimmig, mit bewusst einfachen Melodien so konzipiert, dass sie von möglichst vielen Menschen gesungen werden können. Sie knüpfen an klösterliche Gesangstraditionen an – an Gregorianik, orthodoxe Liturgie, an die Gemeinschaft der Taizé-Bewegung –, ohne sich in historisierender Gelehrsamkeit zu verlieren.
Die ersten beiden HAGIOS-Alben erschienen ebenfalls bei Berlin Classics und fanden ein treues, wachsendes Publikum. Der dritte Teil weitet nun das klangliche Spektrum aus. Das Hamburger Vokalensemble Elbcanto und der Schweizer Pianist, Organist und Akkordeonist Christof Fankhauser, beide von Beginn an Teil des Projekts, bilden weiterhin den künstlerischen Kern. Neu hinzugekommen sind Markus Stockhausen am Flügelhorn, der Perkussionist Stephan Krause sowie ein Streichquartett des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg mit Konzertmeister Konradin Seitzer. Diese Besetzung gibt dem Album mehr Tiefe – die Musik bleibt kontemplativ, gewinnt aber an Farbe und Vielschichtigkeit dazu.
Die Texte schöpfen aus christlicher Liturgie, biblischen Quellen, Lyrik und alten Sprachen. Burggrabe schreibt dazu im Booklet: „Äußerer Frieden beginnt mit innerem Frieden. Wer inneren Frieden erlebt, kann anders in die Welt treten: offener, aufmerksamer, widerstandsfähiger gegen Hass und Verhärtung, engagiert für Versöhnung und Frieden.“ HAGIOS ist längst mehr als eine Album-Reihe. Es ist ein lebendiges Netzwerk aus Konzerten, Workshops und Begegnungen, dokumentiert auf der Plattform hagios.net. Menschen singen die HAGIOS-Lieder in Gemeinden, Bildungseinrichtungen und im Privaten, veranstalten eigene HAGIOS-Abende und nutzen die begleitenden Liederhefte. Im Mai 2026 erschien das bislang umfangreichste: 52 Seiten, mit 18 neu komponierten sowie 30 bereits veröffentlichten Friedensgesängen. Burggrabe selbst gibt Seminare, in denen Gesang und gesellschaftliche Fragen nach Spiritualität und Friedensarbeit zusammengedacht werden.
In einer Zeit, in der institutionelle Religion für viele Menschen an Bindungskraft verliert, spricht HAGIOS eine andere, ältere Sprache – die des gemeinsamen Singens, des Innehaltens, der Resonanz. Nicht als Rückzug aus der Welt, sondern als Vorbereitung darauf.



