Clarissa Bevilacqua
Wie eine junge Geigerin Mozart neu erfindet
Mit „MOZARTIANA“, ihrem neuen Album bei Berlin Classics, setzt Clarissa Bevilacqua ein künstlerisches Statement, das weit über eine Hommage an Mozart hinausgeht. Es ist eine musikalische Spurensuche nach dem, was bleibt, wenn ein Genie wie Mozart die Welt verlässt – und wie sein Geist in der Musik der Nachwelt weiterlebt. Die Auswahl der Werke und die erzählerische Kraft der Interpretationen machen dieses Album zu einem faszinierenden Porträt einer Künstlerin, die sich mit Neugier und Mut zwischen Tradition und Innovation bewegt.
Clarissa Bevilacqua, 2001 in Italien geboren, lebt heute zwischen Chicago, Salzburg, Mailand und Berlin. Schon früh zeigte sie außergewöhnliche Begabung für die Violine, wurde von internationalen Größen gefördert und gewann zahlreiche Wettbewerbe. Sie gastierte mit renommierten Orchestern wie dem BBC National Orchestra of Wales, dem Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo und dem Mozarteum Orchester Salzburg. Vor kurzem debütierte sie mit den Münchner Symphonikern und dem Münchner Kammerorchester. Ihr erstes Album „Dream Catcher“ wurde von der internationalen Presse hochgelobt und vom Gramophone Magazine und The Strad empfohlen.
Doch mit Mozart tat sich Bevilacqua lange schwer. Die Musik des Salzburger Meisters erschien ihr zu schlicht – bis sie als Teenager nach Salzburg kam und sich dem allgegenwärtigen Mozart-Kult nicht länger entziehen konnte. „Alle redeten nur über Mozart. Sie spielen die ganze Zeit und überall seine Musik“, erzählt sie. Plötzlich wurde Mozart für sie zur Inspiration. Mit 18 gewann sie den Internationalen Mozart-Wettbewerb Salzburg – ihr erster großer internationaler Preis, der ihr künstlerisches Selbstverständnis prägte. Heute ist Salzburg für sie nicht nur ein Ort der Inspiration, sondern auch Bühne für ihre Vision von Musik: dynamisch, grenzüberschreitend und voller Energie. Ihr DYNAMIKfest ist mehr als ein Festival – ein Labor für neue Ideen, ein Treffpunkt für Talente unter 30 und ein Symbol für Gemeinschaft. „Salzburg ist für mich ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart, Tradition und Innovation aufeinandertreffen – genau das möchte ich mit meinem Festival und auch mit diesem Album zeigen“, sagt sie.
Diese persönliche Wandlung spiegelt sich in „MOZARTIANA“ wider. Das Album ist kein klassisches Mozart-Recital, sondern eine Reflexion über das Weiterleben des Komponisten. Die Eröffnung mit der Sonate in B-Dur op. 7 von Franz Xaver Mozart, dem Sohn des berühmten Vaters, ist ein programmatischer Akt: Hier beginnt das Nachleben Mozarts, und Bevilacqua zeichnet diese Linie mit Sensibilität und Spielfreude nach. Die Pianistin Martina Consonni, ebenfalls vielfach ausgezeichnet, ist ihr dabei eine kongeniale Partnerin.
Mit Beethovens 12 Variationen über „Se vuol ballare“ und Hindemiths Sonate op. 31 Nr. 2 schlägt das Album Brücken zwischen Epochen und Stilen. Humor, Ironie und das Spiel mit Erwartungshaltungen sind zentrale Motive – Eigenschaften, die Bevilacqua auch in Mozarts Persönlichkeit wiederentdeckt hat.
Dass sie eine leidenschaftliche Botschafterin für neue Musik ist, zeigen die eigens für das Album entstandenen Werke von Sophia Jani, Jorge A. Bosso und Giovanni Sollima. Sie alle wurden gebeten, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie Mozart sie heute beeinflussen würde. So entsteht ein spannender Dialog zwischen den Jahrhunderten.
Florian Willeitner schrieb „To be Mozart or not to be!“ 2020 eigens für den Internationalen Mozart-Wettbewerb, den Bevilacqua gewann. Das Werk setzt sich originell und virtuos mit Motiven aus Mozarts Violinkonzert Nr. 3 in G-Dur auseinander und spielt augenzwinkernd mit Identität, Nachahmung und künstlerischer Freiheit.
Ein weiteres Glanzlicht ist Alfred Schnittkes „Moz-Art für zwei Violinen“, das Bevilacqua mit Larissa Cidlinsky einspielt. Das Stück spielt mit Intonation und Identität – die beiden Violinen verschmelzen zu einem Klangkörper, der zwischen D-Dur und d-Moll changiert und die Grenzen von Harmonie auslotet.
Bevilacqua ist nicht nur als Solistin, sondern auch als Kammermusikerin und künstlerische Leiterin des DYNAMIKfest aktiv. Ihr Ziel: Junge Musikerinnen und Musiker unter 30 auf die Bühne bringen, innovative Programme und Auftragswerke präsentieren und klassische Musik lebendig halten. 2024 wurde sie Preisträgerin der Fondation Gautier Capuçon, ein Jahr zuvor ins Classeek Ambassador Programm aufgenommen.
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