Concerto Köln
INS PANTHEON UND WIEDER HINAUS – Concerto Köln auf Spurensuche zwischen Unsterblichkeit und Vergessen
Am 27. März 2026 öffnet Concerto Köln mit „PANTHEON“ ein musikalisches Portal in neue und alte Welten und veröffentlicht das Album beim traditionsreichen Label Berlin Classics. Schon dieser Titel verrät, wohin die Reise geht: Ins Pantheon – an jenen Ort der Erinnerung und Verehrung, wo Größe und Zeitlosigkeit sich begegnen. Mit ihrer Neugier und ungebrochenen Lust am Erkunden stellen die Musikerinnen und Musiker von Concerto Köln erneut unter Beweis, warum sie seit Jahrzehnten als eines der führenden Ensembles für historische Aufführungspraxis gelten. Sie nehmen die Hörerinnen und Hörer mit auf einen Streifzug durchs barocke Europa und lassen dabei vieles neu erscheinen, das bislang im Schatten großer Namen lag.
Denn „PANTHEON“ ist weit mehr als eine Hommage an die Unsterblichkeit berühmter Komponisten. Die neue Aufnahme will Geschichten erzählen von Glanz und Vergessen, von lebendigen Netzwerken, musikalischen Begegnungen und verborgenen Wegen zwischen Ruhm und Rivalität. Der Ausgangspunkt ist Corelli, einer der legendärsten Komponisten des 17. und 18. Jahrhunderts – der „Lehrer Europas“, dessen Grab im Pantheon von Rom geradezu symbolisch für seine bis in die Gegenwart wirkende Bedeutung steht. Doch Concerto Köln belässt es nicht bei jener ehrwürdigen Verehrung. Sie gehen weiter, schauen hinter die Kulissen der Musikhistorie und lassen jene zu Wort kommen, die sich als Schüler, Bewunderer und Konkurrenten Corellis ein eigenes musikalisches Pantheon erschaffen wollten.
So handelt das Album von einer oft vergessenen Welt, in der Spiel und Forschung, Inspiration und der Willen zum eigenen Klang Hand in Hand gingen. Giovanni Battista Somis zum Beispiel, ein direkter Schüler Corellis, brachte dessen Kunst nach Turin und Paris und öffnete mit seinen glanzvollen Violinkonzerten neue Horizonte. Michele Mascitti, seinerseits in Frankreich tätig, vermittelte italienische Sonatenkunst an die Pariser Öffentlichkeit und mischte dabei Corellis Stil ebenso raffiniert wie temperamentvoll unter die lokalen Klänge. Die Spuren führen weiter nach London: Pietro Castrucci leitete dort Händels Theaterorchester und bereicherte die musikalische Praxis mit dem Einsatz von Schlagwerk – mit Kastagnetten und Tamburinen, die damals die Opernabende neu färbten und deren Besonderheit das Ensemble liebevoll aufgreift.
Noch weiter werden die Verbindungen gespannt, wenn Gasparo Visconti, der wohl zwischen Vivaldi und Corelli steht, und Giuseppe Valentini, einst als „stärkster Konkurrent“ Corellis in Rom genannt, ihre eigensinnigen Positionen behaupten. Valentinis „nuovo stile“ überrascht gleich doppelt: Zum ersten Mal ist eine Bratsche als Soloinstrument gesetzt – und Corellis Einfluss bleibt unüberhörbar, selbst wenn er im Künstlerischen Widerspruch verarbeitet wird. Wie fließend die Grenzen von Hommage und Weiterentwicklung sind, zeigt auch Antonio Caldara, dessen dramatische Sinfonia in g-Moll der barocken Konzertform neue Theatralik verleiht, oder die sorgsam ausgewählten Preludes & Vollentarys für Violine Solo von Corelli und Henry Purcell, die das freie Erfinden und das Einstimmen auf neue Klangräume zelebrieren.
All diese musikalischen Lebenslinien werden von Concerto Köln mit jener einzigartigen Leidenschaft für den historischen Klang und das Unerhörte zu einem Panorama verwoben, das mehr will als bloße Rekonstruktion. Die Musikerinnen und Musiker erzählen nicht nur von Noten, sondern von Begegnungen, von lebendigem Austausch über Landes- und Epochen-Grenzen hinweg, von der Kunst, Tradition und Innovation miteinander zu verschränken und Musik stets als etwas Bewegliches, Offenes zu gestalten. In ihrem intensiven Arbeitsprozess geht es dem Orchester nicht um museale Bewahrung, sondern um das unmittelbare Erleben, um das Staunen über alte Musik, die neu und frisch erklingt – ganz im Sinne des Lobes der ZEIT, die das Ensemble dafür bewundert, „als würde man es zum ersten Mal hören“.
Seit bald 40 Jahren kämpfen sie für diesen Klang und sind damit zu einer festen Größe in Köln und in den internationalen Musikmetropolen geworden. Mehr als 75 Aufnahmen, darunter preisgekrönte Projekte wie Mozarts „Le nozze di Figaro“, belegen die Neugier und die Forschungsfreude, die Concerto Köln auszeichnen. Mit Konzertmeister:innen wie Evgeny Sviridov, Mayumi Hirasaki, Justyna Skatulnik oder Anna Dmitrieva und in Zusammenarbeit mit Künstlerpersönlichkeiten wie Kent Nagano und Shunske Sato entstehen Interpretationen, die bis ins Detail zurück zu den Quellen forschen und eine Annäherung an den Originalklang der Entstehungszeit wagen. Verstärkt wird diese Suche durch Partnerschaften und Förderer, die dem Ensemble Freiheit und Qualität sichern – und durch die langjährige Verbindung mit Berlin Classics, die viele Entdeckungen erst möglich machte.
Mit „PANTHEON“ führt Concerto Köln nun nicht ins Museum, sondern ins Leben, auf die Straßen von Rom, die Salons von Paris und die Opernhäuser Londons, dorthin, wo Musik wirklich zuhause war – und ist. Jeder Track dieses Albums lädt ein, sich auf eine Reise zu begeben: zu den Lehrern und Schülern, zu Rivalen und Pionieren, zu all den Gestalten, deren Namen vielleicht nicht im Stein des Pantheon verewigt wurden, aber deren Musik und Geschichten weiterleben, solange sie erklingen.
So bleibt der Weg offen: aus dem Pantheon hinaus in die Welt, dorthin, wo Musik immer wieder neu erfunden wird und Menschen sich begegnen. Wer mit Concerto Köln hört, spürt, dass die Unsterblichkeit in der Musik nicht allein im Ruhm liegt – sondern in der Neugier und dem immerwährenden Neubeginn.









